Grundlagen

Reiss Motivation Profile® – warum überhaupt?

Für Steven Reiss gab es ein Geheimnis im Leben, das er lösen wollte: Warum sind Menschen, wie sie sind und wie schaffe ich es, ihr Verhalten zu verstehen UND vorhersagen zu können?

Anhand dieser beiden Fragen entwickelte er das Reiss Motivation Profile, das in der Lage ist, die jeweiligen fundamentalen Ziele und Werte eines Menschen sichtbar zu machen. Bis heute hat dieses dabei entstandene Persönlichkeitsprofil unzählbar vielen Menschen dabei geholfen, sich und andere besser zu verstehen. Er reduzierte die psychologisch bedeutsamen Motive auf 16 Grundwerte. Die individuelle Bewertung dieser 16 Lebensmotive ergibt im Gesamten ein Bild, das erkennen lässt, welche Verhaltensweisen intrinsisch motiviert sind, also was jemand um seiner selber willen tut.

Das bedeutet, jeder Mensch, der seine Ergebnisse des Reiss Motivation Profils bekommt, sieht, warum er bestimmte Handlungen als sinnvoll erachtet und kann aus der Kombination seiner eigenen, persönlichen und individuellen 16 Lebensmotive sein Verhalten nachvollziehen und für sich begründen.

Macht

Macht

Einfluss, Erfolg, Leistung, Führung

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Macht üben gerne Autorität aus und setzen ihren Willen gerne durch. Sie übernehmen gerne Verantwortung und Führungsaufgaben. Sie sind ehrgeizig und streben nach Leistung und Kompetenz.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Macht wollen andere nicht gerne beeinflussen, geben selten Ratschläge und Anweisungen und wollen nicht zu viel Verantwortung übernehmen.

Unabhängigkeit

Unabhängigkeit

Freiheit, Autonomie

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Unabhängigkeit legen hohen Wert auf Autonomie. Oft fällt es ihnen schwer, Unterstützung durch andere anzunehmen. Sie agieren bevorzugt selbstbestimmt und lösen Probleme gerne alleine.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Unabhängigkeit finden es angenehm und beruhigend zu wissen, dass sie sich auf andere verlassen können. Sie arbeiten sehr gerne im Team.

Neugier

Neugier

Wissen, Wahrheit

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Neugier interessieren sich für intellektuelle, kognitive oder geistige Fragen. Sie sind wissbegierig und wollen die Dinge und deren Zusammenhänge verstehen.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Neugier haben oft eine Abneigung gegen intellektuell anstrengende Betätigungen. Sie arbeiten lieber an konkreten Problemen und deren Lösung als an theoretischen Fragen und Zusammenhängen.

Anerkennung

Anerkennung

soziale Akzeptanz, Zugehörigkeit, positiver Selbstwert

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Anerkennung sind empfindlich gegenüber Kritik, Zurückweisung oder dem eigenen Versagen. Von anderen anerkannt und geschätzt zu werden ist sehr wichtig für sie. Konflikte werden – wenn möglich – vermieden.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Anerkennung sind selbstbewusst und behaupten sich gerne. Mit Kritik gehen sie eher sachlich um. Es kann sogar sein, dass sie sanfte Kritik oder Kränkung gar nicht wahrnehmen.

Ordnung

Ordnung

Stabilität, Klarheit, Struktur

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Ordnung organisieren gerne und achten sehr auf Details. Am wohlsten fühlen sie sich in einem stabilen, berechenbaren Umfeld.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Ordnung schätzen ihre Flexibilität und haben eine Abneigung gegen das Organisieren und Planen. Sie sind häufig offen und tolerant gegenüber ungewissen und vieldeutigen Situationen.

Sparen

Sparen

Sammeln, Eigentum

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Sparen heben Dinge auf und sammeln gerne. Sie sind meist genügsame Menschen. Oft fällt es ihnen auch schwer, sich von Dingen zu trennen.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Sparen heben Dinge nicht gerne auf und trennen sich auch leicht von ihnen. Sie sind meist großzügig.

Ehre

Ehre

Loyalität, moralische Integrität

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Ehre finden es sehr wichtig, ihrem Verhaltenskodex gemäß moralisch zu handeln. Sie sind sensibel für Fragen von Anstand, Charakter, Moral und Prinzipien.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Ehre handeln zweckrational und pragmatisch.

Idealismus

Idealismus

soziale Gerechtigkeit, Fairness

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Idealismus sind sensibel für soziale und humanitäre Fragen. Viele engagieren sich politisch, karitativ oder sozial. Aus der Welt einen besseren Ort zu machen ist für sie ein zentrales Anliegen.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Idealismus sehen die Welt oft als „Realisten“. Sie versuchen nicht aktiv in soziale oder humanitäre Bereiche involviert zu werden.

Beziehungen

Beziehungen

Freundschaft, Freude, Humor

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Beziehungen lieben Geselligkeit, knüpfen gerne Kontakte und schließen leicht Freundschaften.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Beziehungen leben lieber zurückgezogen und fangen selten ein Gespräch an. Sie haben einige enge Freunde, sind aber nicht bestrebt, ständig neue Freundschaften zu schließen.

Familie

Familie

Elternschaft, Erziehung eigener Kinder

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Familie gehen ihre Kinder über alles: eine Familie zu haben, ist für sie der Inbegriff von Glück. Es bedeutet, dass Menschen ihre Kinder nicht nur lieben, sondern auch einen wesentlichen Teil ihrer Zeit mit ihnen verbringen wollen.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Familie empfinden die Pflichten des Elterndaseins auch gelegentlich als Last. Manche wollen keine eigenen Kinder.

Status

Status

Prestige, Ansehen, öffentliche Aufmerksamkeit

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Status fühlen sich zu allem hingezogen, was mit Prestige im weitesten Sinne zu tun hat: Reichtum, Titel, Prominenz, gesellschaftliche Stellung usw. Ihr Ruf ist diesen Menschen sehr wichtig.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Status sind durch Ansehen und Ruhm nicht leicht zu beeindrucken. Ihnen ist die Stellung, die andere in der Gesellschaft haben, nicht wichtig.

Rache

Rache

Vergeltung, Wettbewerb

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Rache haben ein stark ausgeprägtes Bedürfnis, sich im Wettbewerb durchzusetzen. Streit oder Konflikten gehen sie nicht aus dem Weg, im Gegenteil, sie suchen Auseinandersetzung und Situationen in denen sie gewinnen können.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Rache gehen Konflikten lieber aus dem Weg. Es widerstrebt ihnen, mit anderen im Wettstreit zu stehen oder zu streiten – das Prinzip der Harmonie liegt ihnen weitaus mehr.

Eros

Eros

Schönheit, Sex

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Eros gehen gerne partnerschaftliche Beziehungen ein und flirten gerne. Romantik kann ein dominierender Aspekt ihres Lebens sein. Das Bewundern alles Schönen, also der Sinn für Ästhetik, fällt ebenfalls unter dieses Motiv.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Eros unternehmen weniger Anstrengungen, um sich physisch attraktiv für das andere Geschlecht zu machen. Sie tendieren zu einem eher asketischen, wenig sinnlichen Lebensstil.

Essen

Essen

Nahrung, Kochen, Genuss

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Essen, denken oft an Essen und kochen oftmals auch gerne.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Essen beschäftigen sich nicht gerne mit Essen. Kochen oder das Planen von Mahlzeiten gehören nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen.

Körperliche Aktivität

Körperliche Aktivität

Bewegung, Fitness

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach körperlicher Aktivität betätigen sich sehr gerne körperlich und betreiben gerne Sport. Sie legen großen Wert auf Fitness, Kondition und Vitalität.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach körperlicher Aktivität ziehen einen geruhsamen Lebensstil vor und finden nicht ihre Erfüllung in körperlicher Betätigung.

Ruhe

Ruhe

emotionale Sicherheit, Entspannung

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Ruhe machen sich oft Sorgen, empfinden das Leben als stressig und anstrengend. Sei suchen Entspannung. Ruhe bedeutet für sie in dem Zusammenhang die Abwesenheit von Angst, Stress und Sorgen.

Menschen mit einem geringen Bedürfnis nach Ruhe sind oft abenteuerlustig, gehen Risiken ein und scheuen auch Gefahren nicht. Sie agieren oft mutig und unerschrocken.


Forschung

Wer bin ich? Was will ich wirklich?


Während Psychologen bisher von wenigen verschiedenen Trieben ausgehen, die den Menschen bestimmen und jeweils sehr dominant sind, hat Steven Reiss in seinen empirischen Untersuchungen eine Vielzahl von Faktoren identifizieren können. Sigmund Freud sah die Libido als fast alleinigen Antrieb. Für Alfred Adler will der Mensch dazugehören, besser werden / wachsen / lernen; er will bedeutend sein / Wertschätzung erfahren und Mut aufbringen, um seine Defizite zu kompensieren. Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow sah das Streben nach Selbstverwirklichung als den Motor menschlichen Handelns an. «Diese Schemata werden der Unterschiedlichkeit der Menschen überhaupt nicht gerecht», so Reiss. Was bisher fehlte war ein System, das der menschlichen Vielfalt Rechnung trägt, was die Motive des Handelns betrifft. Menschen sind in dem, wie sie «ticken» zu unterschiedlich, als dass sich dies durch wenige Triebe erklären lässt.

In einer Reihe von neun grossen Untersuchungen mit insgesamt über 8000 Männern und Frauen erforschte Reiss, welche psychologischen "Endmotive" – die Reiss später Lebensmotive nannte – den Menschen letztlich antreiben.

Die Lebensmotive, die Steven Reiss identifiziert hat, sind das Ergebnis dieser aufwendigen wissenschaftlichen Forschung. «Wir haben uns erstmals in wissenschaftlichen Studien mit der Frage beschäftigt, was einzelne Menschen bewegt», so Reiss. Das Ergebnis ist ein Durchbruch in der Motivationsforschung, denn mit ihm ist man in der Lage das, was Menschen antreibt, also ihre individuellen Bedürfnisse und Motive des Handelns sehr genau zu beschreiben.

«Die Bedeutung der einzelnen Motive ist bei den Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt», so der Psychologe. «Das macht seine Persönlichkeit aus.» Jeder Mensch verfügt über ein eigenes, fast unverwechselbares Profil der Lebensmotive. Glücklich und zufrieden ist er, wenn seine individuellen Bedürfnisse befriedigt werden.

Was steckt dahinter?

Wissenschaftlich fundiert mittels Faktorenanalyse (mittlerweile wurden zehntausende Profile aus vielen Ländern der Welt ausgewertet) lassen sich anhand des Reiss Motivation Profile® 16 verschiedene Lebensmotive unterscheiden: Anerkennung, Eros, Neugier, Essen, Familie, Ehre, Idealismus, Unabhängigkeit, Ordnung, körperliche Aktivität, Macht, Sparen, Beziehungen, Status, Ruhe, Rache.

Von den vielen Listen grundlegender Motive und Absichten in der Psychologie unterscheiden sich die 16 Lebensmotive, weil sie auf einer breiten empirischen Grundlage und der Untersuchung von tausenden Menschen beruhen. Viele andere Ansätze basieren fast ausnahmslos auf reiner Introspektion wie bei Platon, Beobachtungen von Tierverhalten – wie bei James und McDougall – oder theoretisch-tiefenpsychologischen Ansätzen – wie bei Murray.

Die 16 Lebensmotive

  • wurden streng empirisch ermittelt,
  • basieren auf faktorenanalytischen Auswertungen,
  • und konnten in zahlreichen Folgestudien auch kulturübergreifend bestätigt werden.

Steven Reiss geht davon aus, dass zumindest bei 14 der ermittelten Motive eine genetische Determination vorliegt. Unsere Motive haben also einen evolutionären Ursprung, werden aber geformt von der Kultur, unseren Glaubenssätzen und unseren individuellen Erfahrungen. Was wir uns wünschen, ist weitgehend von unseren Genen determiniert, aber wie wir unsere Wünsche erfüllen, wird hauptsächlich durch unsere Kultur und unsere Erfahrungen bestimmt.

Diese 16 Lebensmotive sind voneinander unabhängige Dimensionen („Faktoren“), die einen hohen Erklärungswert in Bezug auf menschliches Verhalten aufweisen und auch eine hohe Vorhersagbarkeit von Verhalten besitzen. Jeder Mensch hat also – wie auch jede/r ihren/seinen genetischen „Fingerprint“ hat – einen Motivations-Fingerprint. Die verschiedenen Motivatoren sind bei jedem Menschen in einer ihm eigenen Art und Weise kombiniert und mehr oder weniger stark ausgeprägt. Es wird somit der Individualität des Menschen Rechnung getragen und nicht versucht, Menschen in Typologien einzuordnen.

  • Die Motive bestimmen unser Verhalten per se: sie auszuleben, ist ihr Zweck.
  • Das Motivprofil eines Menschen ist grundsätzlich stabil.
  • Wir finden eine Unterscheidung zwischen „feel good-happiness“ („Wohlfühlglück“) und „value-based- happiness“ („werteorientiertes Glück“). Unter Wohlfühlglück versteht Steven Reiss die Bestrebungen eines Menschen, möglichst schnell ein gutes Gefühl herzustellen und darin Sinn zu finden. Im Gegensatz dazu steht werteorientiertes Glück, was bedeutet, den Sinn des eigenen Tuns gefunden zu haben und sein Leben nach den eigenen Werten und Motiven auszurichten.

Nicht zuletzt verstehen wir das Reiss Motivation Profile® als ein Plädoyer für Toleranz: Steven Reiss plädiert für das Verstehen und Akzeptieren der Motive anderer Menschen. Denn wir neigen dazu, unsere eigenen Werte als erstrebenswert einzustufen und jene der anderen geringzuschätzen.

Auf Wunsch stellen wir Ihnen die Gütekriterien der einzelnen Lebensmotive gern zur Verfügung.

Netzwerk

idé-o Philippe Georgy (RMP Romandie) www.ide-o.ch
Jean-Claude Früh (RMP Swiss sales agent) jeanclaudefrueh@rmp-swiss.ch
RMP Germany GmbH www.rmp-germany.com
RMP Nordic Ltd www.rmp-nordic.com
RMP Portugal Lda www.rmp-portugal.com
Institut für Persönlichkeit www.institut-fuer-persoenlichkeit.de
Coaching Center Berlin www.coachingcenterberlin.de

Renormierungsprozess 2017

Was sind Normen?
Um etwas über die Testwerte einer einzelnen Person aussagen zu können, werden die Werte dieser Person mit einer möglichst großen und repräsentativen Normstichprobe verglichen und in Bezug gesetzt. So werden individuelle Testergebnisse interpretierbar.

Normen des Reiss Motivation Profile®
In der ursprünglichen Normstichprobe aus dem Jahr 2001 wurden 1.749 TestteilnehmerInnen erfasst. 2007 wurde das Reiss Motivation Profile® anhand einer Stichprobe von ca. 7.800 TestteilnehmerInnen renormiert. 2012 konnten in einem Renormierungsprozess bereits 45.000 Testpersonen erfasst werden. Seit September 2017 gibt es die neuen Normen, die in einem Zeitraum zwischen 2007 und 2017 erfasst wurden. Die Normstichprobe des Reiss Motivation Profile® umfasst nunmehr 79.888 Testpersonen aus 23 Ländern und 3 Kontinenten (Amerika, Asien, Europa). Dieser Prozess wurde von William Aflleje von Reesh LLC in Zusammenarbeit mit Mike Reiss und Maggi Reiss von IDS Publishing durchgeführt.


The Reiss Motivation Profile®

What Motivates You?

What determines your life? What is really important to you?
What makes you successful? What makes you happy?

As US psychologist Steven Reiss found out after many years of research with thousands of test subjects, not only one or two basic desires determine our existence, but 16 vital needs and values - our basic desires. Thereby, every person has – like an individual fingerprint – a distinctive “basic desire profile”.


Sein Reiss Motivation Profile®

Steven Reiss

1947 in New York geboren, war Steven Reiss Emeritus Professor für Psychologie und Psychiatrie an der Ohio State University (USA) und Direktor des Nisonger Center for Mental Retardation. Er ist Autor zahlreicher Forschungsarbeiten und Fachbücher und wurde mehrfach für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

In Europa ist er vor allem als Begründer des Reiss Motivation Profile® bekannt – einem diagnostischen Verfahren zur Persönlichkeitsanalyse, das in unterschiedlichen Beratungskontexten Anwendung findet: z. B. der Personal- und Persönlichkeitsentwicklung, im Karriere-Coaching sowie im Spitzensport. Tausende von Menschen haben damit weltweit ergründen können, wie sie ticken und was ihre ureigenen Motivatoren sind. Die tiefe Erfüllung der wahren Bedürfnisse eines Menschen, konfliktfreiere zwischenmenschliche Beziehungen und ein besseres Verständnis für die individuellen Unterschiede der anderen waren seine Lebensthemen.

Steven Reiss starb am 28.10.2016 an den Begleiterkrankungen eines langjährigen chronischen Leidens.